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Executive Summary

Der zweite Workshop im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur zur EU Kulturpolitik widmete sich Finanzierungsstrategien für die Kultur- und Kreativwirtschaft. Die hohe TeilnehmerInnenzahl – rund 100 Personen – machte die Relevanz dieses Themas deutlich. Eine Videodokumentation und die Unterlagen finden sich unter http://www.ccp-austria.at/view.php?cid=18.

Hanspeter Huber (BMUKK, Sektionschef Internationale Angelegenheiten und Kultus) eröffnete die Veranstaltung. Der Workshop bestand aus drei Teilen: Der Vormittag war der europäischen Ebene gewidmet: Zuerst stellte Sylvain Pasqua (Europäische Kommission) die geplanten Maßnahmen und Methoden der EU zur weiteren Entwicklung des Sektors vor. Paul Stepan (FOKUS), der vom BMUKK 2008-2010 in die EU-Expertengruppe zur Kulturwirtschaft entsandt wurde, schilderte die Entscheidungsfindungsprozesse innerhalb der Arbeitsgruppe und deren Ergebnisse.

Im Anschluss daran wurden Finanzierungsstrategien anhand von konkreten Beispielen aufgezeigt: Ragnar Siil (Kulturministerium, Estland) beschrieb, wie die estnische Kultur- und Kreativwirtschaft mit Mitteln aus EU-Strukturfonds aufgebaut wurde. Sébastien Saunier (IFCIC, Frankreich) stellte das hierzulande noch weitgehend unbekannte Finanzierungsmodell der französischen Förderbank IFCIC vor, das als Modell für eine EU-weite Initiative dienen soll. Christian Henner-Fehr (Kulturmanager) besprach differenziert die Möglichkeiten, bei denen das Community-basierte Finanzierungsmodell Crowdfunding sinnvoll eingesetzt werden kann.

Michael Söndermann (Büro für Kulturforschung, Deutschland) zeigte in einem statistisch fundierten Beitrag, wie sich Österreich in diesem Feld innerhalb Europas positioniert, welche Schwächen und Stärken vorhanden sind. Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion mit Veronika Ratzenböck (österreichische kulturdokumentation), Michael Söndermann, Eberhart Schrempf (Creative Industries Styria) und Virgil Widrich (checkpoint media).

Zusammenfassend hat der Workshop gezeigt, dass sich die Finanzierungsmethoden für die Kultur- und Kreativwirtschaft stark diversifizieren bzw. an Komplexität zunehmen und dass den Entwicklungsagenturen bei der Unterstützung der Kreativen, diese Mittel auch lukrieren zu können, eine neue Rolle zukommen wird.

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Workshop zu Finanzierungsstrategien für die Kultur- und Kreativwirtschaft

Das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur veranstaltet eine Workshopreihe zu Themen des EU-Arbeitsplans für Kultur 2011-2014.

Nach dem Auftakt zu „Kreative Partnerschaften“ setzt sich der zweite Workshop in Kooperation mit FOKUS (Forschungsförderungsgesellschaft für kulturpolitische und kulturökonomische Studien) mit neuen Finanzierungsmodellen für die Kultur- und Kreativwirtschaft auseinander.

13. Oktober 2011, 10:00 Uhr – 16:30 Uhr
im BMUKK, 1010 Wien, Concordiaplatz 2, EG-Saal „Oscar“

Programm

Dieser Artikel wurde geschrieben für die IG-Kultur

Kultur ist immer Nummer eins, zumindest in allen Sonntagsreden, Erklärungen und Interessensbekundungen von Politiker_innen quer durch alle Bereiche und Ebenen ob Stadt, Land, Bund oder EU. Kulturelle Vielfalt ist, wenn man den Reden glauben schenken darf, das ein und alles der Politik und mit einem Augenzwinkern eigentlich, das, wofür man lebt und arbeitet. Schaut man sich aber, egal von welcher Ratspräsidentschaft, das Programm an, dann wird recht schnell deutlich, dass Kultur immer an unterster Stelle aller Menüpunkte rangiert. Kultur wird als Politikfeld und als Wirtschaftsfaktor nur bedingt ernst genommen und ist in politisch schwierigen Zeiten immer das erste Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird. Es gibt jedoch auch ökonomische Argumente, warum man Kunst und Kultur fördern soll beziehungsweise es ökonomisch nicht sinnvoll ist Kulturförderungen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu kürzen.

An dieser Stelle sei in aller Kürze erwähnt, dass das Kürzen von Budgets in Zeiten der Krise aus volkswirtschaftlicher Sicht (Keynes) generell nicht ratsam ist. Öffentliche Ausgaben sind von großer Bedeutung um die konjunkturelle Abwärtsspirale einer Volkswirtschaft zu bremsen und einen neuen Aufschwung einzuleiten. Wenn, dann sollten öffentliche Budgets in Zeiten der Hochkonjunktur zurückgefahren werden und auch hier sollte es in erster Linie die Wirtschaftsförderung und nicht das Gesundheitswesen, Kultur oder die Wissenschaft treffen.

1.

Kunst und Kultur sind ein Labor für viele Gesellschaftsbereiche und ziehen eine bestimmte Community an. Bei diesen künstlerischen Experimenten – früher hätte man dazu Avantgarde gesagt – steht der direkte Nutzen und die Verwertbarkeit im Hintergrund, denn, wie der Name Experiment schon sagt, ist unklar, was dabei herauskommt und folglich wäre es nicht nur hinderlich, sondern auch unsinnig eine Verwertungsstrategie in die Grundidee einzubeziehen. Das Profitcenterdenken und die Vorstellung, dass jede Bewegung, jeder Schritt rational und profitorientiert sein muss und der zunehmende Verlust des Überblicks in allen Lebensbereichen und leider auch in starkem Ausmaß in der Politik führen dazu, dass die Bedeutung in direkt messbaren Größen – zumeist Geld oder Publikum gemessen wird. Allerdings ist es nicht möglich, die unter Politker_innen so beliebten Cultural and Creative Industries ohne lokalem Kunstschaffen zu denken. Zumindest nicht langfristig. Beispielsweise ist Kunst- und Experimentalfilm notwendig, da sich ästhetische Prinzipien über das Arthouse Kino in den Mainstream- oder auch den Werbefilm übertragen. Gäbe es für ästhetische Konzepte oder Prinzipien eine Art Maut, dann wären viele Experimentalbereiche vermutlich sehr profitabel. Nur weil es den Kunstlabors und Experimentierstätten nicht gelingt an geeigneter Stelle eine Mautstation zu errichten, heißt das nicht, dass sie nicht in hohem Maße auch wirtschaftliche Werte erzeugen. Nicht alles, was zur gesellschaftlichen Wohlfahrt beiträgt, kann auch auf einem Markt an Hand von Nachfrage abgelesen werden. Genau die Nichteintreibbarkeit dieser Werte oder die nicht auf einem Markt abgebildete Nachfrage nach solchen Kulturgütern und Leistungen ist es, die durch Subventionen kompensiert werden soll. Es geht also keineswegs um Almosen an Kulturschaffende sondern um öffentliche Nachfrage nach Kultur und die adäquate Bezahlung für Kunst- und Kulturberufe. Sollte das Kulturverständnis mancher Politiker_innen an sich nicht ausreichen um die Notwendigkeit von Kulturförderungen zu sehen, so kann über ökonomische Zusammenhänge gezeigt werden, dass es ohne regionale Kulturinitiativen und ohne Experimente langfristig auch keine Cultural and Creative Industries gibt, denn diese entstehen nicht von alleine. Meist entwickelt sich der Mainstream nach und nach aus der Offszene.

Vor allem Kulturinitiativen leisten im ländlichen Raum eine kulturelle Nahversorgung, die auch eine dynamische Wirkung zeigen und zwar sowohl für die Angebots- und Nachfrageseite als auch für künftige Entwicklungen. Kulturinitiativen bieten einer jüngeren Generation die Möglichkeiten in Theaterproduktionen, Konzerte, Ausstellungen, Kunstprojekte etc. eingebunden zu werden und Erfahrungen zu sammeln. Sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Ausbildung eines kulturinteressierten Publikums als auch für die von Nachwuchskulturschaffenden. Darüber hinaus schaffen und erhalten Kulturinitiativen Infrastrukturen, die wiederum für Festivals und Tourbetrieb essentiell sind. Denn ohne einem Minimum an Infrastruktur, Räumen und Technik lassen sich auch temporäre Spektakel nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Mehraufwand realisieren. Als Beispiel kann hier die steirische regionale genannt werden, die immer wieder mit Partner_innen kooperiert, die seit langer Zeit vor Ort Kulturarbeit leisten.

2.

Ähnlich wie in der Grundlagenforschung können auch Kunst und Kultur nicht isoliert betrachtet werden. Niemand wird verlangen, dass sich ein Institut für Hochenergiephysik über die Tantiemen seiner Publikationen finanziert, sondern es gewinnt seine Bedeutung über eine andere definierte Funktion, deren direkte ökonomischen Auswirkungen in der Zukunft liegen.

Das zweite Argument für die Wichtigkeit der Kulturförderung bezieht sich folglich auf die externen Effekte im Allgemeinen. Besonders Kulturinitiativen und das zeitgenössische Kulturschaffen leisten einen wesentlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenleben. Nachstehend sollen exemplarisch einige dieser Effekte umrissen werden.

Einer der wichtigsten externen Effekte die von zeitgenössischer Kunstproduktion ausgehen ist die soziale Kohäsion. Kulturinitiativen sind niederschwellig und stellen besonders in den ländlichen Regionen oft die einzige Möglichkeit dar, nicht kommerzielle Räume vorzufinden. Die Vielfalt der inhaltlichen Projekte bringt verschiedene Gruppen miteinander in Kontakt und schafft – zumindest temporär – Orte der Kommunikation und des Austausches.

Weiters erfüllen Kulturinitiativen eine Vermittlungs- und Bildungsfunktion. Sie bringen Inhalte in Gebiete, die oft ein sehr eingeschränktes Kulturspektrum zeigen (vielfach geprägt von Kommerzialität). Gerade für Jugendliche stellt diese Arbeit oft eine der wenigen Möglichkeiten dar, mit aktuellen Ansätzen von Kulturproduktion in Kontakt zu kommen.

Dennoch findet Kunst und Kultur nicht statt um Regionen aufzuwerten, soziale Kohäsion zu erzielen, aus den Beteiligten und den RezipientInnen bessere Menschen zu machen oder generell die Welt zu verbessern, sondern aus Interesse an der (jeweiligen) Sache, wenngleich es mit anderen Bereichen Berührungspunkte gibt. Kulturinitiativen können – mitunter massiv – zur Aufwertung von Stadtteilen oder Regionen beitragen, ohne die üblichen Verdrängungsprozesse in Gang zu setzen. Sie sind von großer Bedeutung für die Nachwuchsförderung, für die Schaffung experimenteller Räume, Kunst- und Kulturvermittlung und für vieles andere mehr. Es ist richtig, dass Kulturinitiativen, die ihren kulturpolitischen Auftrag ernst nehmen, praktisch nicht profitabel geführt werden können, aber die Investition in Kulturinitiativen und die damit für Politik und Gesellschaft wichtigen externen Effekte sind verhältnismäßig günstig und können zu gleichen Kosten sicherlich nicht alternativ bereitgestellt werden. Gerade von politischer Seite ist es notwendig diese externen Effekte zu utilitarisieren und in ein politisches Denken zu internalisieren. Wenn man dies alles berücksichtigt, sind Ausgaben in die Kultur effizient investiert.

Zu den verhältnismäßig günstigen Kosten muss klar gestellt werden, dass das in keiner Weise eine Aufforderung zum weiteren Lohndumping sein soll. Es ist schon unabdingbar, dass die professionelle Arbeit in diesem Bereich auch entsprechend bezahlt werden muss. Damit will ich an dieser Stelle auch auf die Fair-Pay Kampagne der IG Kultur Österreich hinweisen. Aber: Auch bei fairer Bezahlung sind die Investitionen in den Kulturbereich und den damit verbundenen Effekten immer noch günstig. Langfristig kann Qualität nur durch entsprechender Bezahlung gewährleistet werden.

Nachdem das Kürzen von Kunst- und Kulturförderungen zwar ökonomisch nicht sinnvoll ist, aber sich die Politik meist einer Kürzung in allen Bereichen nicht entziehen kann um keine Optik der Benachteiligung dieses oder jenes Politikbereichs aufkommen zu lassen ist es üblich, dass überall gekürzt wird. Dennoch muss bedacht werden, welche Kürzungen welche Auswirkungen nach sich ziehen.

Plan B – Produzieren statt Zukaufen

Die oben skizzierten Effekte sowohl auf die Cultural and Creative Industries als auch die externen Effekte kommen nur dann in vollem Ausmaß zu tragen, wenn Konzeption, Produktion und Investitionen auch lokal geschehen. Kurz: Die ökonomischen Auswirkungen von Wanderausstellungen oder eingekauften Theaterproduktionen sind ähnlich wie beim Abspielen von Hollywoodfilmen in heimischen Kinos, verhältnismäßig gering, denn der Großteil der Gelder fließt ins Ausland ab. Wenn also die Kulturausgaben sinken, dann muss überlegt werden, welche langfristigen Folgen das Sparen mit sich bringt und wie hoch sowohl die zeitlichen als auch die finanziellen Ressourcen für einen Wiederaufbau sind. Folglich ist es bei temporären finanziellen Einschnitten auf lange Sicht wesentlich günstiger auf eingekaufte Produktionen im Bereich Theater und Oper und bei eingekauften Wanderausstellungen im musealen Bereich kurzfristig zu verzichten, statt auf lokale Kunstproduktion. Der Grund sind die Wiedereinstiegskosten, denn ein Wiederaufbau von lokalen Strukturen ist nur mit enormem zeitlichem und finanziellem Aufwand und in vielen Fällen gar nicht möglich. Diese kulturelle Verödung im ländlichen Raum führt in absehbarer Zeit verstärkt zu Problemen bei der kulturellen Versorgung und Ausbildung. In den Ankauf von weltweiten Produktionen und Ausstellungen kann jederzeit und ohne größere Reibungsverluste wieder eingestiegen werden, sobald sich Wirtschaft und Budgetdaten erholt haben.

Gleichzeitig sollten in Krisenzeiten größere Institutionen verstärkt in die Pflicht genommen werden mit kleineren Institutionen und einzelnen Kulturschaffenden aus der Region zu kooperieren um die getätigten Kulturausgaben nicht ins Ausland abfließen zu lassen. Im Filmbereich ist das durchwegs üblich, denn da geben Förderinstitutionen die Mindesteffekte vor, die die Subventionen auf den Filmstandort Österreich haben müssen, damit auch eine heimische Szene gefördert wird. In Zeiten sinkender Budgets wäre es wichtig die Gelder, die in den Kultursektor fließen auch möglichst lang in der Szene zu halten und so das Überleben der Szene(n) und den Erhalt von Strukturen zu gewährleisten.

Darüber hinaus ist es auch nur schwer argumentierbar Kulturinitiativen, die über lange Zeit mit viel ehrenamtlichen Engagement und Steuermitteln aufgebaut und letztlich auch in Kooperation mit der Politik etabliert wurden, kurz- bis mittelfristigen Konsolidierungsüberlegungen zu opfern.

Aus: Kämpfe um geistiges Eigentum – Kurswechsel 4/2010

Paul Stepan

Verteilungsfragen waren und sind noch immer heftigst umkämpft. Sie nehmen in der politischen Diskussion einen zentralen Platz ein und haben so manchen Konflikt ausgelöst. Interssanterweise ist die Diskussion um das geistige Eigentum im Vergleich zu anderen Verteilungsthemen fast bedeutungslos und wird von politischer Seite nur sehr vorsichtig behandelt. Es verwundert dabei, mit welcher politischen Zurückhaltung die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Eigentumsverhältnisse im digitalen Raum diskutiert werden und wie weit es auch den Lobbys der verschiedenen involvierten Industrien gelingt, diese Diskussion weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu führen. Dabei wird die Bedeutung und Tragweite der Diskussionen um das Urheberrecht oder – in der anglo-amerikanische Variante – das Copyright von den politisch Verantwortlichen zumeist unterschätzt.

Download here

Wo sind die Piraten? (DER STANDARD, Printausgabe, 28.4.2010)

Ein Jubilar in der Krise (DIE PRESSE, Printausgabe, 23.2.2010)

EU-Politik und Rock ’n‘ Roll: Seltsame Töne aus Brüssel (DER STANDARD, Printausgabe, 18.7.2008)

Retter ohne Gefahr: Kein Beweis, dass sich File­sharing negativ auf Umsatz auswirkt (DER STANDARD, Printausgabe, 28.5.2008)

Kultur – ein Ideologieressort? (DER STANDARD/Printausgabe, 19.02.2008)

Ab wann ist ein Film „erfolgreich“? (DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.05.2007)

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